Unsterblich

Manche sind “unsterblich” verliebt - und das hält dann doch höchstens bis zu ihrem Tod.

Manche Menschen sind durch irgendwelche Taten, Entdeckungen, Erfindungen oder wegen ihrer Weisheit noch heute bei vielen von uns bekannt, obwohl sie sehr lange schon gestorben sind. Sie sind “unsterblich”, so scheint es. Doch sie leben ja nicht in echt, sondern wir profitieren von dem, was sie uns hinterlassen haben.

Manche meinen jedoch zu Lebzeiten, daß sie durch ihre Werke fortleben, oder in ihren Kindern und Kindeskindern weiterleben. Wer nicht so berühmt ist wie z.B. Adam Riese oder Albert Einstein oder Johann Sebastian Bach oder Elvis Presley muß sich etwas einfallen lassen, um diese Idee (besser: diesen Wahn) aufrecht zu erhalten. Manche hinterlassen eine Biographie (die Schilderung ihres Lebens aus ihrer eigenen Sicht), eine Fotosammlung mit vielen Erinnerungen an die eigene Person, Sammelstücke aus ihrem “bewegten Leben” (z.B. besondere Steine, Erinnerungsstücke von Reisen, Gemälde, Briefmarken).

Den Angehörigen dieses Grals reicht gegebenenfalls auch eine kleine Schar “auserwählter” Menschen, denen sie ihr “Nachleben” anvertrauen. Diese können nun diese Erinnerungsstücke vermehren, um selbst “unsterblich” zu werden. Oder auch ein Buch schreiben “Mein Leben mit meinem Vater” oder “Mein Leben mit meiner berühmten Mutter”. Oder so.

Da wir uns alle nicht vorstellen können, wie das ist, wenn wir nicht mehr sind (als Seiende können wir uns das Nichtsein natürlich nicht vorstellen), und da uns noch niemand begegnet ist, der aus dieser Situation nach dem Tode verläßliche Nachrichten aus eigener Anschauung bringen könnte, sind wir auf Vermutungen angewiesen. Und hier gibt es ganz viel Religiöses im Angebot, da gibt es sehr viel zu lesen oder zu hören über wahre Paradiese, die nach dem Tod auf uns warten - wenn wir das verdient haben sollten. Manche sollen ja bekanntlich in “die Hölle” kommen.

Dieser Gral hat etwas Zwingendes, verlangt viel Moralismus (gut dastehen und nicht böse, gut dastehen und nicht schlecht). Der Wert eines Menschen gilt nicht einfach so, weil wer Mensch ist, sondern beruht auf seinen Taten. Und die sollen dann in die “Unsterblichkeit” eingehen.

Kinder dieses Grals müssen erst noch wertvoll werden, sie sind es nicht von Geburt an. Sie müssen erst noch zu wirklichen Menschen erzogen werden, sie sind nicht einfach bereits Menschen, denen Liebe und Achtung entgegengebracht werden sollte - von Geburt an. Deswegen gibt es die religiöse Vorstellung, daß ein verstorbenes Kind direkt in den “Himmel” kommt, zu einer Gottheit gelangt, ins Paradies überführt wird. Sie hatten ja sonst noch keine Gelegenheit, ihren Wert zu beweisen. Ein wenig unlogisch klingt das schon: entweder haben sie einen Wert und gelangen deshalb sofort in den “Himmel” oder sie haben keinen und müssen dann, so andere Religionen, wiedergeboren werden.

Wiedergeburt ist bei einigen Religionen ohnehin angesagt. Schlechte Menschen werden da z.B. als Tiere wiedergeboren. Das dauert dann, bis da wieder eine menschliche Wiedergeburt draus wird ...