Adoption

Die physiologische Dimension paternogener Traumatisierungen (Verwundungserfahrungen durch einen Mann, meist der Vater, in der frühen Kindheit, siehe dazu “Umgang” 4. Aufl.) ist auch durch die physische Überlegenheit des Vaters beschreibbar. In der Verhaltensbiologie wird dies als “Imponiergehabe” bezeichnet. Die Demonstration der Stärke wurzelt in der Angst des Vaters, die dem Vater die geistige Dimension seiner Situation vermittelt. D.h. wenn er die Vaterrolle übernehmen will, als Sohn seines Vaters, muß er die Vater- und Sohnes-Rolle übernehmen (ein Sohn muß immer eine “Hierarchie-Einheit” unter dem Vater bleiben, was den Abwärtstrend des Patriarchats verstehbar macht, siehe GuM 2.Aufl.). Wenn der Sohn sich jetzt zum Vater erschwingen will, braucht er dessen Zustimmung, seine Erlaubnis, also eine Berechtigung. Diese Berechtigung kann ihm die Kultur geben, doch für die familiär geprägte (in wesentlichen Teilen unterbewußte) Welt- und Selbstsicht braucht er die Berechtigung auch von seinem Vater oder muß sie aus den Erfahrungen mit seinem Vater ableiten können.

Üblicherweise denken wir, der Vater bekäme seinen Titel “genetisch”, nennt sich dann so (wird so genannt) und nennt dann seinen Sohn “Sohn”.

Bei den Germanen war es formal tatsächlich so, daß der Vater erst sein Kind als sein Kind anerkennen mußte, um es damit in die Familie und die Stammesgemeinschaft aufnehmen zu lassen. Auch der römische pater familias war Herr über seine Kinder und konnte sie z.B. in die Sklaverei verkaufen, um seinen Etat aufzubessern.

Wovor mögen viele Väter Angst haben? Diese Angst scheint durch die Idee verursacht zu sein, der Sohn würde die Adoption aufheben und sich gegen ihn stellen, wenn die physische Situation es zuläßt. Denn es sieht im Patriarchat doch offenbar so aus, daß ein Sohn von Geburt an Herr ist, und der Titel nur auf später verlagert wird. Der Herr adoptiert und nicht der Knecht. Im Streit oder kurz davor wird vom Vater auch gerne der Begriff “Herr Sohn” genommen. Was heißt das für das patriarchale System? Männer sollen Söhne bleiben und dürfen dann Herren sein. Geben sie die Titel auf, ist es aus mit ihrer “Herrlichkeit” - wegen Nichtteilnahme am patriarchalen System. Männer adoptieren auch die Experten, denn das Recht vom Vater, Herr sein zu dürfen, gibt ihnen auch das Recht, analog (vaterähnliche) Experten zu adoptieren. Deshalb nennt sich der Papst (als Papa von der Kurie adoptiert) auch offiziell Stellvertreter Christi (obgleich in der Kirche alle geweihten bzw. ordinierten Geistlichen die Funktion als Stellvertreter ausüben). Doch die Stellvertreter sind besser dran als Christus selbst, denn der muß aufs Jüngste Gericht warten, während sie schon jetzt entscheiden dürfen (Beichte und Absolution sind Beispiele dafür).